Was ist Chan Shaolin Si?

Chan Shaolin Si ist einer von vielen hunderten Kung-Fu-Stilen, die in den letzten Jahrhunderten entstanden sind. Für die Entwicklung und Verbreitung dieses Systems war in erster Linie Dr. Sifu Tse Dschero Khan Chen Tao Tse - nach Erhalt der niederländischen Staatsbürgerschaft bekannt unter dem Namen Gerald Karel Meijers - verantwortlich. Da er viele verschiedene Kampfkünste studiert hat, sind Parallelen und ähnliche Techniken im direkten Vergleich zu anderen Stilen erkennbar. Chan Shaolin Si ist kein Shaolin-Kung-Fu wie es heute in China und bei zahlreichen Shows auf der ganzen Welt gelehrt wird und sollte niemals damit verwechselt werden. Chan Shaolin Si ist ein Trainingsprinzip, das in den 70er Jahren entstanden.


Die Übersetzung:

Chan (japanisch: Zen) kommt vom Chan-Buddhismus und bedeutet übersetzt soviel wie Meditation, Versenkung.

Shaolin ist eine Anlehnung an den Entstehungsort der meisten asiatischen Kampfkünste: Das Kloster Shaolin. Shaolin selber ist der Name des Waldes, in dem das berühmte Shaolin-Kloster steht, in dem Kung-Fu entstanden ist. Shaolin übersetzt heißt "junger Wald".

Si ist eine chinesische Bezeichnung für das Kloster selber. Dieser Begriff soll hier den Weg symbolisieren, den die buddhistischen Mönche vor vielen Jahrhunderten in diesem Kloster gelebt haben.



Beim Chan Shaolin Si Kung-Fu geht es um die Verwirklichung des Selbst, das Bewahren der Traditionen,dem Finden des Lebensweges und der Perfektion der inneren und äußeren Technik. Zur Erreichung dieser Ziele nutzt der Übende das körperliche Training, die Beschäftigung mit der Philosophie und den Traditionen sowie die Meditation und Energiearbeit.

Da die Erklärung des geistig-seelischen Trainings diese Seite sprengen würde, wird hier nur das körperliche Training beschrieben. Chan Shaolin Si besteht aus den Übungen der Grundschule, den statischen Übungen (auch Atem-/ Kraft-Übungen), dem Drachenstil und den Pokkeks.

Die Grundschule
Die Grundschule ist der Einstieg in die meisten traditionellen Kampfkünste. Viele Kampfsportbegeisterte sind schon in den ersten Wochen beim Erlernen der schwierigen und höchst anstrengenden Stellungen und Grundtechniken gescheitert. Sie sind jedoch sogleich Sprungbrett in die Welt der Kampfkunst als auch wichtiges Instrument zur Perfektionierung der Techniken. Die Grundschule besteht aus den drei Grundstellungen, den Schlag-, Block- und Tritttechniken, sowie der Bewegungslehre.



Statische Übungen
Die statischen Übungen dienen der Stärkung des inneren und äußeren Menschen. Sie bestehen aus je 18 Hand- und Fußtechniken. Sie werden gemäß ihrem Namen sehr langsam aber überaus kraftvoll ausgeführt. Die wichtigsten Aspekte für sie sind eine tiefe Stellung, korrekte Atmung, saubere Ausführung der Technik und ein Maximum an Körperspannung. "Der äußere Mensch" bezieht sich auf die Stärkung der Muskulatur, der Sehnen und des gesamten Bewegungsapparates, während es beim Stärken des "inneren Menschen" um die Stärkung des Willens und dem Aufbau der inneren Energie geht. Zudem wirkt sich die spezielle Atmung und Körperspannung positiv auf unsere inneren Organe und somit unsere Gesundheit aus.Vor allem die tiefen Stellungen stärken den Willen und verhelfen dem Übenden zu mehr Stabilität und somit zu härteren Techniken. Durch das sehr lange Stehen mit gebeugten Knien - vor allem bei den Handtechniken - muss der Kung-Fu-Kämpfer seinen "inneren Schweinehund" besiegen und alles daran setzen, seine körperlichen Grenzen zu überschreiten.



Der Drachenstil
Mit Hilfe des Drachenstils lernt der Schüler, die Techniken der Grundschule zu kombinieren und in fließenden Bewegungen ineinander übergehend auszuführen. Durch den Drachenstil erhält der Kung-Fu-Kämpfer seine Geschmeidigkeit und Dynamik. Er trainiert gleichermaßen Kraft, Geschicklichkeit, Technik, Gleichgewicht, Willen, Ausdauer und Kampfgeist. Er ist die Essenz des Chan Shaolin Si.

Ein allgemeiner Name für den Drachenstil ist das Wort "Form" das gleichbedeutend mit dem japanischen Begriff "Kata" ist. Es handelt sich um eine Aneinanderreihung von Grundtechniken, die einen Kampf gegen mehrere imaginäre Gegner in alle Himmelsrichtungen symbolisieren.



Pokkeks
Die Pokkeks sind eine Reihe von Partnerübungen, bei denen der Schüler erlernt, wie er Grundtechniken an einem Partner (im Ernstfall Gegner) anwendet. Sie schulen das Auge und die Reaktion und geben ein Gefühl für das Kämpfen.

Durch das Erlernen der Pokkeks wird der Lernende selbstsicherer und lernt, wie er die Techniken als Reaktion auf einen Angriff kombinieren kann. Außerdem erlangt er ein großes Maß an Disziplin und Körperbeherrschung. Schließlich darf er beim Üben seinen Partner weder verletzen noch mit Samthandschuhen anfassen. Er muss seine Energie perfekt abgemessen einsetzen und seine Faust im richtigen Moment bremsen.